Frische Ideen gegen veraltete Denkmuster
Netzwerk Umwelt und Verkehr Oberhausen (NUVO) widerspricht den Äußerungen von Bezirksbürgermeister Bajric
Der neue Bezirksbürgermeister von Sterkrade, Albin Bajric (CDU) sieht im Ausbau des Autobahnkreuzes Oberhausen positive Effekte auf Schadstoff- und Lärmbelastung sowie auf die Unfallhäufigkeit im Kreuz (WAZ vom 06.02.2026).
Er rechtfertigt die Vernichtung wertvoller Wald- und Erholungsflächen mit Verkehrsentwicklungszahlen, die basierend auf veralteten Prognosemethoden ein irreführendes Bild des zukünftigen Individual- und Güterverkehrs erzeugen.
Zukunftsweisend sind folgende Mobilitätsziele:
Der Güterverkehr gehört zunehmend auf Schiene oder Wasserwege.
Für den Individualverkehr werden ÖPNV und Radwegenetz optimal ausgebaut.
KI-gesteuerte Verkehrslenkung und ein Bonusprogramm für Fahrgemeinschaften verringern zusätzlich das Fahrzeugaufkommen auf Autobahnen.
Zusammen mit innerstädtischen Maßnahmen, wie z.B. 15-Minuten-Stadtteilen, wären dies Investitionen in ein lebenswertes Oberhausen, die sich nachhaltig positiv auf Umwelt, Klima und Lebensqualität auswirken.
Bei zunehmendem Anteil von E-Fahrzeugen verringert sich die Lärm- und Abgasbelastung in den nächsten Jahren automatisch – hier besteht also kein Handlungsbedarf für massive, teure und umweltschädigende Eingriffe in eine der wenigen Waldflächen unserer Stadt.
Die Unfallzahlen auf Autobahnen sind in den letzten Jahren allgemein angestiegen. Ursachen dafür sind überwiegend eigenes Fehlverhalten, z.B. Alkohol oder Drogen, zu schnelles Fahren, geringer Abstand oder Missachtung der Vorfahrt. Dieses Fehlverhalten wird durch einen Autobahnausbau nicht positiv beeinflusst. Landesweit hat jedoch die Zahl von Unfällen an Stauenden zugenommen. Was größtenteils an den zahlreichen und lang dauernden Baustellen liegen dürfte. Folglich wäre bei einem Ausbau des Autobahnkreuzes Oberhausen für mehrere Jahre mit erhöhtem Unfallaufkommen zu rechnen.Zusätzlich verbunden mit viel Lärm, Dreck, innerstädtisch höherem Verkehrsaufkommen und der unwiederbringlichen Vernichtung intakter Natur – einschließlich eines der letzten gesunden großen Feuersalamandervorkommen in NRW. Diese Forderung nach Ausbau inklusive aller Folgen begründet die CDU mit längst veralteten Zahlen und Fakten.
Gar nicht berücksichtigt werden neue Technologien und Konzepte. Dazu gehören automatisierte Assistenzsysteme der Fahrzeuge und das Konzept Vision Zero der Bundesregierung – beides zusammen könnte laut VDI die Unfallhäufigkeit um 25% senken.
Der Rat der Stadt – und besonders die neue Stadtspitze – kann nun wählen:
Eine Ausbaustufe des Autobahnkreuzes, die sich nach ihrer Fertigstellung und den damit verbundenen jahrelangen Beeinträchtigungen als nicht mehr zeitgemäß und völlig überdimensioniert mit fatalen Folgen für Mensch und Umwelt herausstellt.
Oder Perspektiven, die nicht nur kurzfristig wirtschaftsorientiert sondern nachhaltig interessant und zukunftsweisend für alle Oberhausener Bürger:innen sind.
Wofür sollen unsere Steuergelder ausgegeben werden? Für den scheinbaren Vorteil des autofahrenden Anteils der Bevölkerung? Oder zum Nutzen aller – auch der zukünftigen Generationen?
Und übrigens, Herr Bajric: mehr Grün in der Stadt ist gesünder und wirkungsvoller für gutes Stadtklima als jeder helle Asphaltbelag.
Alle Statistiken gehen davon aus, dass die Anzahl der Einwohner: innen Oberhausens sinkt. Mit diesem Hintergrund ist nicht einzusehen, dass immer mehr Flächen versiegelt werden. Alte Gebäude nutzen und renovieren. Das ist das Gebot der Stunde. Oder, wo das nicht mehr geht, an derselben Stelle neu bauen. Die Stadt wird nicht schöner, indem auf grüner Wiese neue Stadtteile aus dem Boden gestampft werden, sondern indem die Stadtteile attraktiver gestaltet werden, die in den letzten Jahren abgewirtschaftet wurden. Hier könnten innovative Stadtplaner: innen ihre kreativen Fähigkeiten unter Beweis stellen.
Andere Städte haben längst damit begonnen – mit Mut zu innovativen Maßnahmen: Entsiegeln statt versiegeln, sanieren statt neu bauen, Maßnahmen für Menschen anstatt im Sinne der Autolobby. Und das mit Erfolg. Lassen wir doch Oberhausen zu einem kleinen gallischen Dorf werden, dass sich erfolgreich wehrt: gegen den allgemein gerade vorherrschenden Sog der Missachtung von Umwelt- und Klimaerfordernissen! Sollte eine Stadt, die mit einer hervorragenden Ausstellung zum Thema Wald im Gasometer in der nächsten Zeit zehntausende von Besucher:innen von nah und fern anlocken wird, nicht alles dafür tun, die eigenen wenigen noch verbleibenden Wald- und Grünflächen zu erhalten und zu schützen? Setzen wir nicht auf überholte Schlagworte! Setzen wir auf Anstrengungen für mehr nachhaltige Lebensqualität für alle!
Im Netzwerk Umwelt und Verkehr Oberhausen (NUVO) haben sich folgende Initiativen und Verbände zusammengeschlossen: Oberhausen sattelt um (OSU), Bündnis für den Erhalt des Sterkrader Waldes, Bürgerinitiative Zeche Sterkrade, BI Buche Alstaden, BUND, NABU, Greenpeace und kitev.
NUVO versteht sich als ein offenes Bündnis für eine zukunftsfähige Gestaltung unserer Stadt, die alle Bürgerinnen und Bürger bei Planungen auf der Grundlage partizipativer Demokratie einbezieht.
Keine Atommüll-Transporte über Autobahnen!
Castor-Transporte sollen über das Oberhausener Autobahnkreuz rollen und sie bringen Gefahren für ein wichtiges Naturschutzgebiet, für dessen Erhalt wir seit 10 Jahren kämpfen: den Sterkrader Wald.
Die Ausbaupläne für das AK Oberhausen liegen zwar derzeit auf Eis, weil die Bundesregierung die Gelder dafür nicht hat. Aber sie können jederzeit wieder reaktiviert werden. Deshalb bleiben wir bei der Forderung: Erhalt des Sterkrader Waldes! Sterki bleibt!
Nun bedrohen Castor-Transporte den Sterkrader Wald.
Konkret geht es um 152 Castor-Behälter mit rund 300.000 hochradioaktiven Brennelemente-Kugeln aus dem ehemaligen Forschungsreaktor in Jülich. Diese sollen über mehrere Jahre verteilt mit mehr als 50 LKW-Transporten quer durch Nordrhein-Westfalen ins Zwischenlager nach Ahaus gebracht werden.
Angesichts der möglichen Risiken des Transports von radioaktiven Brennelementen durch halb Nordrhein-Westfalen halten wir es für unabdingbar, dass die Rechtmäßigkeit der Transportgenehmigung vollständig geprüft wird. Darauf haben wir einen Anspruch.
Castor-Transporte erfordern großen Aufwand um Strecken zu sichern, was durch die Verkehrsinfrastruktur erschwert wird. Gerade die Baustellensituation auf der A2 stellt hier ein großes Problem dar. Deshalb lehnen wir die Castor-Tansporte als zu hohes Sicherheitsrisiko ab.
Bei schweren Unfällen können Castor-Behälter beschädigt werden, was eine radioaktive Kontamination der Umgebung zur Folge haben könnte. Wir wollen kein radioaktiv verstrahltes Sperrgebiet im Sterkrader Wald!
Der Sterkrader Wald umgibt das Autobahnkreuz Oberhausen, das die Städte Duisburg, Oberhausen, Dinslaken und Bottrop miteinander verbindet. In diesem dicht besiedelten Teil des Ruhrgebiets wäre die Havarie eines Castor-Transports katastrophal – für Mensch und Natur!
Deshalb darf es keine Transportgenehmigung geben.
Der Atommüll muss solange an den jetzigen Standorten bleiben, bis ein Endlager gefunden ist.
Hochriskanter Atommüll gehört nicht auf die Autobahn!
Mehr Informationen
- BUND-Position zur Frage weiterer Atommülltransporte von Castoren in Zwischenlager von Atomkraftwerken
- BUND-Studie: Aktuelle Probleme und Gefahren bei deutschen Zwischenlagern für hoch-radioaktive Abfälle
Kein Ja zu Olympia Rhein-Ruhr ohne vorherige Umweltprüfung
Grünes Band, Elbe, Allee
(K. Leidorf, leidorf.de, E. P. Dörfler, pixelio.de)
Egal wo Olympische oder Paralympische Sommerspiele 2036, 2040 oder auch 2044 stattfinden würden, falls sich eine deutsche Bewerbung international durchsetzt: Die Folgen für Mensch und Natur, für Klima, Stadtentwicklung, Wohnungsmarkt, Verkehr und andere Bereiche wären größtenteils negativ. Das lassen die Erfahrungen früherer Ausrichter-Städte klar erwarten. Und Bewerbung und ggf. Durchführung des IOC-Events werden sich auch bei den knapper werdenden kommunalen Finanzen niederschlagen – was eine weitere Verschärfung der bereits jetzt vielerorts drastischen Kürzungen bei Klima- und Naturschutz, Kultur und Sozialem befürchten lässt. Denn Olympische Spiele überschreiten regelmäßig ihre Budgets um 200 bis 300 Prozent. Das dezentrale Konzept für Olympia an Rhein und Ruhr mit 17 Austragungsorten allein in NRW wird als besonders nachhaltig dargestellt. Aber bislang haben alle Olympiamacher ihr jeweiliges Konzept als besonders umweltfreundlich und wirtschaftlich tragfähig beworben – die Realität war meist sehr ernüchternd. Bereits der Bürgerentscheid, der am 19. April 2026 durchgeführt werden soll, kostet allein für die Stadt Oberhausen 60 000 €. Sollte es zur Entscheidung für den Austragungsort Rhein-Ruhr kommen, würden weitaus höhere Kosten für die erforderliche Infrastruktur dieses Megaevents entstehen, viel Geld, das an anderen Stellen jetzt schon fehlt. Zwar soll in Oberhausen eine bestehende Sportanlage genutzt werden, aber erhöhtes Verkehrsaufkommen, zusätzlicher Flächenverbrauch z.B. für Parkplätze, Sicherheitszonen und Medienzentren, die unklare Klimabilanz, das Risiko von Kostenexplosionen und mögliche Verdrängungseffekte – das alles steht im Widerspruch zu den Zielen einer nachhaltigen Stadtentwicklung. Oberhausen hat einen hohen Versiegelungsgrad der Stadtfläche und sehr wenig Wald – daran zu arbeiten und Klimaresilienz zu erreichen, wäre das nicht wichtiger als Beteiligung an einer Großveranstaltung?
Tag des Baumes 2026: Jeder Baum zählt im Klimawandel!
Anlässlich des „Tag des Baumes“ am 25. April fordert der BUND Oberhausen dazu auf, mehr für den Schutz und Erhalt unserer Bäume zu tun. Bäume sind ökologisch sehr wertvoll und prägend für unsere Stadt. Besonders vor dem Hintergrund des Klimawandels und des Artenverlustes sollten sie viel mehr Beachtung finden.
Der BUND empfiehlt allen Gartenbesitzer:innen einheimische Baumarten zu pflanzen und bittet alle Baumbesitzer:innen, alte Bäume möglichst bis zu deren natürlichen Ende im Garten zu belassen. Selbst Totholz kann ästhetisch im Garten integriert werden und damit Spechten und anderen Höhlenbrütern weiterhin als wertvoller Lebensraum zur Verfügung stehen.
„Jeder Baum, der stehen gelassen werden kann oder neu gepflanzt wird, zählt – gerade jetzt im Klimawandel, denn Bäume sind perfekte natürliche Klimaanlagen.” sagt Cornelia Schiemanowski, Sprecherin des BUND Oberhausen, und sie ergänzt: „Das gilt für die Straßenbäume unserer Stadt, ebenso wie für die ca. 5000 Bäume im Sterkrader Wald, die von Rodung bedroht sind. Auf der 16 ha großen Fläche der Zeche Sterkrade soll ein neues Wohngebiet entstehen – auch hier sollen viele Bäume gerodet werden, die für das Stadtklima wichtig sind. Dagegen wehren wir uns. Und wir fordern den Erhalt des Sterkrader Waldes, denn die Rodung von 5000 Bäumen für den geplanten Ausbau des Autobahnkreuzes Oberhausen ist gerade jetzt in der Klimakrise eine nicht hinnehmbare Naturzerstörung mit erheblichen Folgen für das Stadtklima und die Artenvielfalt.”
Bäume bieten wertvolle Lebensräume für Vögel, Insekten, Pilze und Flechten, sie sind wichtig für den Artenschutz, den Wasserhaushalt, den Boden und für die Gesundheit der Menschen. Bäume stellen ein unersetzbares Refugium für seltene und gefährdete Tier-, Pflanzen- und Pilzarten dar. Sie sind gut für die Gesundheit und für die Seele der Menschen. Alte Bäume können Geschichten aus vergangenen Zeiten erzählen. Viele unserer alten Platanen tragen z.B. bis heute Granatsplitter des 2. Weltkrieges in ihrem Holz. Sie sind zudem wertvolle Schattenspender und Temperaturregulierer in Zeiten des Klimawandels. An heißen Tagen freuen wir uns, wenn wir Schatten unter einem kühlenden Baum finden, denn die Blätter der Baumkrone senken die Temperatur der Umgebung.
Waldflächen und alte Baumbestände können die Lebensqualität der Stadtbewohner erheblich aufwerten. Sie zu schützen und zu erhalten bedeutet aber auch regelmäßige Baumpflege und Bewässerung in den heißen Sommermonaten. Hier ist die Stadt gefordert; aber auch Bürger:innen können mit der Übernahme von Patenschaften und Bewässerung der Baumscheiben dazu beitragen, dass unsere Bäume Hitze und Dürre besser überstehen können. Ansprechpartnerin des BUND Oberhausen für Informationen und Beratung dazu ist Cornelia Schiemanowski, E-Mail: cornelia_schi(at)bund.net.
Waldspaziergang mit dem Landesvorsitzenden des BUND NRW im Sterkrader Wald
Die Oberhausener Kreisgruppe des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) freute sich über den Besuch des Landesvorsitzenden des BUND NRW Holger Sticht und seine Teilnahme an einem Spaziergang durch den Sterkrader Wald. Dabei wurden die vorliegenden Planungen zum Ausbau des Autobahnkreuzes erläutert und der gravierende Eingriff vor Ort verdeutlicht.
Mit einer Gesamtfläche von 204 ha ist der Sterkrader Wald der zweitgrößte Wald Oberhausens und besitzt eine hohe Bedeutung für die Region. Der Wald dient als Lebensraum für zahlreiche zum Teil gefährdete Tier- und Pflanzengemeinschaften. 11 ha dieses Waldes sollen gerodet werden – das bedeutet die Fällung von 5000 Bäumen, darunter viele ökologisch wertvolle alte Buchen!
Holger Sticht war beeindruckt von dem alten Baumbestand im Sterkrader Wald und sagte: „ Die ökologischen Wirkungen des bestehenden Ökosystems sind auf dem Hintergrund des Klimawandels und des Artenschwunds enorm und nicht einfach ersetzbar.“
Cornelia Schiemanowski vom BUND Oberhausen wies darauf hin, dass bei den bisherigen Planungen differenzierte und aktualisierte Bedarfsanalysen fehlen. Darüber hinaus müssten Alternativen zum Ausbau der Autobahn, wie z.B. Nutzung der Standspuren bei hoher Verkehrsdichte, dargestellt werden. Unberücksichtigt bleiben auch andere verkehrswirksame Maßnahmen, wie z.B. elektronische Verkehrslenkungssysteme.
Dazu sagte Holger Sticht: „Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) fordert ein Umdenken in der Verkehrspolitik. Eine Politik, die sich auf Klimaschutz und Verkehrswende beruft, darf keine Wälder roden lassen. Das ist Verkehrspolitik von gestern. Die Bundesregierung muss endlich umdenken und ihre gesamte Verkehrsplanung an Klima- und Umweltschutz ausrichten.“ Es sei aber auch jeder gefordert, sein Mobilitätsverhalten zu hinterfragen und zu Klima- und Naturschutz beizutragen.
Zu einer möglichen Verbandsklage gegen den geplanten Ausbau des Autobahnkreuzes Oberhausen, erläuterte Holger Sticht die Kriterien des Landesverbandes, die vom Landesverband zugrunde gelegt würden. Maßgeblich sei es, zunächst den Planfeststellungsbeschluss abzuwarten - wobei die Zeit bis dahin für vielfältige politische Formen der Einflussnahme genutzt werden sollte.
Abschließend machte Holger Sticht auf die Volksinitiative Artenvielfalt aufmerksam, die landesweit das Ziel verfolgt, stärker auf Belange von Natur- und Artenschutz aufmerksam zu machen.
Cornelia Schiemanowski dankte Holger Sticht für seinen Besuch sowie den gemeinsamen Spaziergang durch den Sterkrader Wald und ergänzte „Wir werden uns weiter für den Erhalt des Sterkrader Waldes und gegen die aktuell vorliegenden Planungen zum Ausbau des Autobahnkreuzes einsetzen und freuen uns über die Unterstützung des BUND-Landesverbandes.“